Über meine mentale Gesundheit

verfasst am 13. Februar 2021 19:00


Über mich

Ich bin 17 Jahre alt, lebe irgendwo in Sachsen-Anhalt und besuche (noch) ein Gymnasium in der 10. Klasse. Meinen hässlichen Namen brauche ich nicht erneut wiederholen, der steht schon in der Domain.
Meine Interessen sind irgendwas mit Computern, aber auch da weiß ich nicht so ganz genau was. Softwareentwicklung scheint interessant, nur scheitere ich dort seit mehr als 5 Jahren regelmäßig. Ansonsten fotografiere (Instagram) ich recht gerne, aber ein gewisser Virus lässt da nicht viel zu, mehr als leere Felder und eine hässliche Stadt hat meine nahe Umgebung nicht zu bieten.
Es hat einen Grund, weswegen ich keine Fotos von mir mache oder sogar veröffentliche - mehr brauche ich zu meinem Aussehen nicht sagen.
Und das ist alles, was mir über meine Eigenschaften eingefallen ist. Eine ziemlich irrelevante und uninteressante Person halt.

Meine Vergangenheit

Einen großen Teil meiner Zeit vor der Grundschule habe ich bei meiner Oma verbracht, die seitdem fast schon zu meiner besseren Mutter geworden ist. Ich weiß nicht, warum ich so lange bei ihr war, aber anscheinend war es eine gute Zeit, da mir keine schlechten Erinnerungen geblieben sind. In Grundschulzeiten hatte ich - außerhalb der Schule, versteht sich - auch keine Probleme. Ich habe mich zuhause wohl gefühlt, wurde gut behandelt und hatte so ziemlich alles. (Außer WLAN, aber weil ich das gar nicht gewohnt war, hatte ich kein Problem mit 500MB mobilen Daten auf meinem Moto E.)
Und da hört es mit den positiven Worten auch schon auf.
In der Grundschule war ich das "Mobbingopfer" der Klasse. Die größte Gruppe der Klasse hatte einen Hass gegen mich gebildet, wenn ich mich recht erinnere auf Grund meines Aussehens, meines Namens und anderen bescheuerten "Begründungen". Das alleine stört mich inzwischen nicht mehr, aber letzten Endes addieren sich alle negativen Erinnerungen.
Umso größer war nach der vierten Klasse die Freude auf das Gymnasium. Freunde fand ich dort recht schnell, und ich habe mich deutlich wohler gefühlt als noch in der Grundschule. Zugegebenermaßen scheint meine jetzige Schule wohl "eine der besten" der Stadt zu sein. Viele Schüler*innen sind fast schon patriotisch, tragen Merchandise der Schule und erstellen mehrere Instagram-Seiten über diese. Damit kann ich mich kein bisschen identifizieren, aber hey. Wenn's Spaß macht.
Wohl gefühlt habe ich mich auch länger, um genau zu sein bis zu der 8. Klasse im September 2019. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich einige Freunde gemacht und war sozusagen mit ihnen in einer Gruppe der Klasse. (Diese Gruppenbildung scheint bei unserer Klasse normal zu sein.)
... Und da hört der Spaß auf. Ich könnte über dieses Thema auch noch 20 Seiten weiterschreiben, aber das würde erst recht niemanden interessieren, daher kürze ich die Geschichte auf das Mindeste ab: Innerhalb unserer Gruppe bin ich mit meinen Freunden oft respektlos umgegangen, meistens verbal, manchmal auch härter. Warum auch immer ist es meiner einen Gehirnzelle nicht aufgefallen, dass dieses Verhalten über Jahre hinweg falsch ist. Dann bin ich, wie bereits gesagt im September von 2019, über deren Limit gegangen, was sie von mir hinnehmen. Sie distanzierten sich von einem Tag auf den anderen extrem vor mir, mit einer Ausnahme wollte niemand auch nur mit mir reden. Vom besten Freund zum Fremden. Einer hat sich darauf eingelassen, mir zu sagen, was sie an mir falsch fanden. Bereits da habe ich meine Fehler eingesehen, mich wiederholt entschuldigt und eine extreme Reue verspürt. Änderte nicht viel an der Situation. Einige Monate später hat sich ein anderer aus dieser Gruppe wieder an mich herangetraut, und mit ihm läuft es jetzt wieder "super". "Super" heißt in dem Fall: wir verstehen uns so semi, wir schreiben jeden zweiten Tag und er kommt manchmal vorbei - um meinen PC zu nutzen, solange er auf seinen wartet. Also nutzt er mich auch nur aus. Cool.
Besonders hart tut es mir aber bei der dritten Person aus dieser Gruppe weh. Er war mein erster und bester Freund in dieser Schule, wir verstanden uns so gut wie perfekt, unsere Interessen waren sehr ähnlich - auf Spezifischeres werde ich lieber nicht eingehen. Inzwischen hat er andere Freunde gefunden, was mich für ihn freut - aber meine Situation natürlich nicht bessert. Nur ist seine Umgebung meiner Meinung nach extrem fragwürdig. Heutzutage raucht er häufig, trinkt auch stärkeren Alkohol und gibt (aus meiner limitierten Perspektive) keinen Fick auf sich und seine Gesundheit. Nur mal so nebenbei: als wir noch befreundet waren, war er das genaue Gegenteil davon.
Seine Entwicklung tut mir so verdammt weh. Nicht nur habe ich so gut wie keinen Kontakt mehr mit meinem einst besten Freund, sondern sehe ich auch noch selbst dabei zu, wie er "abstürzt" und sogar Spaß daran hat. Ich habe ihn nie darauf angesprochen und werde es auch nicht. Über Jahre hinweg habe ich in seinem Leben eine zu große Rolle gespielt, daher möchte ich ihn nichts vorschreiben und lasse ihn sein Ding machen.
Nur ist es nicht leicht, ihn einfach diese Dinge tun zu lassen und zu befürchten, dass er noch auf härtere Drogen als Nikotin und Alkohol umsteigt. Ich habe selbst in meiner Familie schon extrem negative Erfahrungen damit gemacht. Meine Tante ist Anfang 20 an einer Überdosis gestorben, und ich sehe erschreckende Parallelen zwischen seinem Verhalten und dem meiner Tante, als sie in seinem Alter war.
Belassen wir es hierbei.

Meine schulischen Leistungen

Von einem deprimierenden Thema zum nächsten.
Ich erspare euch die ganze Vergangenheit meiner Noten und rede einfach über mein neuestes Zeugnis. Ich habe das wohl schlechteste Zeugnis der gesamten Klasse - und muss mich damit bewerben. Zwei Fünfen, größtenteils Vieren, aber immerhin eine 2 in Englisch. Und jetzt bewirb dich mal damit.
Ein Abitur schließe ich komplett aus. Dafür habe ich bis jetzt zu viel Stoff verpasst, den ich nur durch enormen Schlafentzug und massiven Masochismus nachholen könnte. Heißt also, dass ich nach der 10. Klasse im Gymnasium dieses verlasse und in eine Berufsschule gehe, um meiner verbleibenden Schulpflicht nachzukommen. Zumindestens war das der Plan.
Ich sehe einfach keine Zukunft für mich. Ursprünglich habe ich, sollte ich nichts Besseres finden, eine Stelle bei meiner Oma als sicher empfunden. Jetzt ratet mal, wer mir letztens gesagt hatte, dass ich diese Stelle mit diesem Zeugnis nicht bekommen würde - trotz meines dort beliebten Nachnamens.

Mein Zuhause

Wenn meine Mutter diese Stelle liest, war's das für mich. So viel vorweg.
Du erinnerst dich doch sicher noch an die Sache, als ich meine Freunde verlor. Zu dieser Zeit hatte ich keine andere Person als meine Mutter. Anstelle mir aktiv zu helfen oder auch nur aufzumuntern, hat sie aus dieser Situation mehr meiner Schwächen gelernt, um diese für sich ausnutzen zu können.
Ich zitiere sie mal, wenige Wochen nachdem ich meine Freunde verlor und generell in einer sehr schlechten psychischen Verfassung war:

Ich kenne deine Meinung zu [meinem "Stiefvater"], und sie ist mir scheißegal. Ich bin froh, einer anderen Meinung zu sein als du!

(Den Kontext dieser Aussage lasse ich hier raus, sonst wird es nur noch schlimmer.) Und das mit einer extrem lauten, pissigen Stimme. Zu einem Jungen, der schon überlegt hatte, wie man alles beenden könnte.
Aber warum geht es jetzt um meinen "Stiefvater", und warum schreibe ich dieses Wort in Anführungsstrichen?
Das Haus, in welchem wir wohnen, gehört meinem "Stiefvater", welcher nur am Wochenende hier ist. Dieser Typ ist aber gar nicht mein Stiefvater, sondern nur das, was am nächsten zu einem kommen könnte. Apropos Vater, bevor das jemand fragt: Ich kenne meinen leiblichen Vater nicht, habe ihn nie gesehen und kenne nicht mal seinen Namen. An ihn kann ich mich also auch nicht wenden.
Meine Mutter und mein "Stiefvater" gelangen regelmäßig in sehr laute Konflikte. Immer und immer wieder. Ich musste auch schon über eine Woche das Haus verlassen, weil er uns als ""Bestrafung"" (was auch immer ich ihm getan habe) das Internet ausgemacht hat - Anfang 2020 im Homeschooling selbstverständlich besonders praktisch.
Hier noch ein paar No-Fun-Facts über diesen Typen:

  1. Er selbst bezeichnet sich als Nazi. (Menschen mit seinem Vornamen sind aber in dieser Gegend häufig rechtsextrem. Komischer Zufall.)
  2. Er ist die Personifikation, die lebendige Definition einer "toxischen Maskulinität", so sei es Menschen männlichen Geschlechtes nicht erlaubt, zu weinen - selbst wenn man gerade erst mit extremer Angst nach Hause gekommen ist, und 45 Minuten lang von dieser Person bis auf das Letzte auseinander genommen wird. Hört sich das so an, als würde ich von Erfahrung sprechen? Wer weiß.
Ein paar Tage nachdem meine Mutter mir dieses oben genannte Zitat in die Fresse geschrien hat, kam sie in mein Zimmer, um mit mir über irgendetwas zu reden. Ich weiß nicht mehr genau was, aber das ist gar nicht so wichtig. Jedenfalls endete dieses Gespräch darin, dass ich von ihren Aussagen extrem frustriert wurde und mir den Kopf - vor ihren Augen - doch mit gutem Schwung gegen die Schreibtischkante geknallt habe.
Und was macht sie? Richtig! Sie beleidigt mich und kotzt mich nur noch weiter an! DAS IST DOCH SINNVOLL! Oft genug dachte ich nachts, wie ich meinen Suizid durchführen könnte. Ich habe es mir genau überlegt:

  1. Irgendwann zwischen 3 und 5 Uhr morgens, wenn alle noch schlafen, das Haus verlassen
  2. 100 Meter zu den Bahngleisen laufen
  3. Auf die Gleise legen
  4. Abwarten.

Noch habe ich das nicht gemacht. Fehlt aber nicht mehr viel.
Ich belasse dieses Thema hierbei.

Mögliche schwere Depressionen

Mir ist 46 Tage nach Verfassung dieses Textes noch eine Sache eingefallen, über die ich gerne sprechen wollen würde.
Eins vorweg: Ich sage nicht, dass ich depressiv bin. Ich war bei keinem Arzt, bei keinem Psychater oder irgendeiner anderen professionellen Autorität dafür und rede nur von meinen eigenen Recherchen. (Übrigens schließe ich Termine mit solchen Ärzten aus - siehe die Sache mit meiner Mutter.)
Ich habe letztens den YouTube-Kanal Psych2Go gefunden, bei dem es über viele psychologische Themen geht. Selbstverständlich haben die Videos über die Themen Depression, Mental Breakdowns und "Faulheit vs. Depression" meine Aufmerksamkeit besonders erregt.
Das ist zwar schön und gut, aber was genau ist besonders daran? Ganz einfach: Ich fühle mich bei so ziemlich jedem Punkt, jedem Symptom und jedem Anzeichen angesprochen. Ich kann alles davon nachempfinden. Wie gesagt, ich möchte mich jetzt nicht selbst eindeutig "depressiv" nennen, aber meiner Meinung nach heißen diese Gefühle, die ich beim Schauen dieser Videos empfinde, trotzdem etwas.